Der Alterungsprozess

Der Alterungsprozess betrifft sämtliche Organe und Gewebe unseres Körpers. Wie die Übersicht zeigt, greifen die Veränderungen ineinander und beeinflussen sich gegenseitig. Die typischen altersbedingten Erkrankungen sind in der Regel ebenfalls auf ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren zurückzuführen, zu denen außerdem noch weitere Einflüsse wie Umweltfaktoren, Lebensstil und genetische Veranlagung gehören.

Übersicht über die wichtigsten Veränderungen der Organe, Gewebe und Funktionsabläufe

Organ/System Altersbedingte Veränderungen Mögliche Folgen und Risiken für altersbedingte Erkrankungen
Sinnesorgane Augen:
  • Elastizität der Augenlinse nimmt ab, was zu einem verminderten Anpassungsvermögen (Akkommodation) führt. Dinge in kurzer Entfernung können schlechter scharf gestellt werden, es kommt zur sogenannten Altersweitsichtigkeit. Außerdem reagiert das Auge schlechter auf veränderte Lichtverhältnisse, die Empfindlichkeit für Lichtblendung steigt, schlechte Lichtverhältnisse und geringer Kontrast wirken sich stärker auf das Sehvermögen aus.
  • Linsentrübung
  • Grauer Star (altersbedingter Katarakt durch Trübung der Augenlinsen)
  • Glaukom (Grüner Star)
  • Altersbedingte Makuladegeneration
  • Gefäßerkrankungen der Netzhaut
  • verminderte Tränenflüssigkeit (Trockenes Auge)
Ohren:
  • Verschleißerscheinungen an den Haarzellen des Innenohres führen dazu, dass insbesondere hohe Töne schlechter wahrgenommen werden (Presbyakusis). Es treten vermehrt Störungen des Sprachverständnisses auf, da bestimme hochtönende und weiche Konsonanten schlechter unterschieden werden können, Hintergrundgeräusche weniger gut ausgeblendet und daher störender empfunden werden.
  • Altersschwerhörigkeit
  • Tinnitus
Geruchs- und Geschmackssinn:
  • Durch den Verlust von Sinneszellen lassen Geruchs- und Geschmackseindrücke nach.
  • Fehl- und Mangelernährung aufgrund von Appetitlosigkeit
Gehirn/Nervensystem
  • Die Zahl der Nervenzellen nimmt ab, die Produktion von Nervenbotenstoffe lässt nach, die Myelinschicht, die die Nervenzellen schützend umhüllt, wird geringer. Dadurch werden Reizübertragung, Informationsverarbeitung und Reaktionsfähigkeit verlangsamt. Die Fähigkeit, gleichzeitig verschiedene Reize zu verarbeiten sinkt. Außerdem reagiert das Nervensystem auf bestimmte Arzneimittel, die in die Informationsübertragung des Nervensystems eingreifen (z. B. Anticholinergika), besonders empfindlich.
  • Demenz
  • Schlafstörungen
  • Depressionen
Hormonsystem
  • Die Produktion von Sexualhormonen sinkt, was sich auf verschiedene Organsysteme und Gewebe auswirkt (Abnahme des Blutöstrogenspiegels bei Frauen (Menopause), Veränderungen des Testosteron-Estradiol-Verhältnisses bei Männern (Andopause).
  • Veränderungen bei der Glukosetoleranz können zu einem Anstieg des Blutzuckerspiegels führen.
  • Das Schilddrüsenhormon Thyroxin wird weniger produziert, aber auch sein Abbau ist vermindert.
  • Osteopenie (Minderung der Knochendichte)
  • Osteoporose
  • Diabetes mellitus (Altersdiabetes)
  • Schilddrüsenfehlfunktion
Immunsystem
  • Die Abwehrmechanismen werden schwächer, da weniger Abwehrzellen und Antikörper produziert werden.
  • erhöhte Infektanfälligkeit und schwerwiegendere Krankheitsverläufe
  • Gürtelrose
Herz-Kreislauf- System
  • Die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels nimmt ab und Herzschlagvolumen (Blutvolumen, das bei einem Herzschlag von der linken Herzkammer ausgeworfen wird) verringert sich.
  • Die Elastizität der Blutgefäße nimmt ab, die Arterien können sich weniger schnell dem Blutdruck anpassen, was zu einem Anstieg des Blutdrucks führt.
  • Herzrhythmusstörungen
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • koronare Herzkrankheit
  • Herzinfarkt
  • Schlaganfall
Lunge
  • Die nachlassende Elastizität des Lungengewebes, Veränderungen der Lungenbläschen und Blutgefäße in der Lunge vermindern die Aufnahme von Sauerstoff aus der Atemluft ins Blut. Dies führt zu einer verminderten Lungenfunktion, spürbar insbesondere bei Belastungen (Atemnot).
  • Risiko von Lungenentzündungen steigt
Nieren, Harnwege Nieren:
  • Die Filtrationsrate der Nieren nimmt ab, was u. a. dazu führt, dass Medikamente und Giftstoffe weniger schnell ausgeschieden werden. Zudem sinkt die Anpassungsfähigkeit der Nieren, d. h. sie reagiert nicht mehr so gut auf die Regulationsmechanismen, die den Wasserhaushalt des Körpers steuern.
  • nachlassendes Durstgefühl birgt die Gefahr der Exsikkose (Austrocknung)
  • Blasenschwäche
  • Inkontinenz
  • Harnwegsentzündung
  • Nierenbeckenentzündung
Harnblase:
  • Das Fassungsvermögen der Blase nimmt ab. Die Elastizität von Beckenboden und Blasenmuskel lassen nach. Dies führt dazu, dass die Blase häufiger entleert werden muss.
Prostata:
  • Bei Männern kommt es zu einer Vergrößerung der Prostata (benigne Prostatahyperplasie BPH (gutartige Vergrößerung der Prostata)). Dies kann den Blasenausgang verengen, was dazu führt, dass häufiger uriniert wird und Restharn in der Blase verbleibt.
Stütz- und Bewegungsapparat Knochen:
  • Der Mineralstoffgehalt in den Knochen nimmt ab, Knochensubstanz wird abgebaut. Dadurch werden die Knochen brüchiger und weniger belastbar. Die Anfälligkeit für Knochenbrüche steigt.
  • Osteoporose
  • Arthrose
  • Wirbelsäulenversteifung
  • erhöhte Sturzgefahr
Knorpel und Gelenke:
  • Der Wassergehalt in Körpergewebe, Muskeln, Sehnen-Bänder, Knochen und Knorpel ist vermindert. Die Dämpfungseigenschaften der Knorpel lassen nach. Bänder und Sehnen sind weniger dehnbar. Die Beweglichkeit der Gelenke und Wirbelsäule nimmt ab. Hinzu kommen Abnutzungserscheinungen von Knorpel und Gelenken.
Muskeln:
  • Die Muskelmasse geht zurück, die Muskelkraft lässt nach. Muskeln werden langsamer aufgebaut. Die Anfälligkeit für Knochenbrüche steigt.
Haut und Bindegewebe Haut:
  • Die Erneuerung von Hautzellen ist verlangsamt. Die Haut wird dünner, verliert Fett und Feuchtigkeit, ist weniger dehnbar und elastisch. Sie wird empfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen und neigt zu Juckreiz. Eine schlechtere Hautdurchblutung verlangsamt Regenerationsprozesse und die Wundheilung.
  • bei Bettlägerigkeit Gefahr von Wundliegen und Dekubitus
  • Entzündungen der Haut
  • Wundheilungsstörungen
  • Arteriosklerose
  • arterielle Verschlusskrankheit
  • Verstopfung (Obstipation)
Bindegewebe:
  • Die Elastizität des Bindegewebes lässt nach. Seine Wasserbindungsfähigkeit geht zurück. Das hat Auswirkungen auf sämtliche Körpergewebe. Betroffen sind u. a. die Wände der Blutgefäße. Eine Verhärtung der Arterien behindert den Blutfluss. Organe und Gewebe werden schlechter versorgt, das Herz-Kreislauf-System wird belastet. Nachlassendes Bindegewebe in der Darmwand führt zu einer Ausdehnung des Darms, mitunter auch zu Ausstülpungen. Damit steigt die Anfälligkeit für Verstopfungen.