Hoher Blutdruck

Der Blutdruck ist ein wichtiger Indikator für den Gesundheitszustand und die Pumpleistung des Herzens und wird deshalb üblicherweise bei jedem Arztbesuch kontrolliert. Gemessen wird dabei, mit welchem Druck der Blutstrom auf die Wände der Adern wirkt: Zieht sich der Herzmuskel zusammen, steigt der Druck in den Arterien an. In dieser Phase erreicht der Blutdruck sein Maximum. Dieser obere Wert wird als systolischer Blutdruck bezeichnet. Sobald der Herzmuskel erschlafft, um sich erneut mit sauerstoffreichem Blut zu füllen, sinkt der Blutdruck auf seinen unteren Wert, den diastolischen Blutdruck, ab. Folglich werden bei der Blutdruckmessung immer zwei Werte angegeben. Richtwerte sind 120 mm Hg (Millimeter Quecksilbersäule) systolisch, 80 mm Hg diastolisch (kurz 120 zu 80 mm Hg). Blutdruckschwankungen sind normal und in der Regel kein Grund zur Beunruhigung. Je nach Tageszeit, körperlicher oder seelischer Belastung steigt oder sinkt der Blutdruck. Erst wenn die Werte dauerhaft höher als die Richtwerte liegen, also z. B. 160 zu 100 mm Hg, spricht man von Hypertonie oder Bluthochdruck.

Man kann davon ausgehen, dass jeder zweite Deutsche über 50 einen zu hohen Blutdruck hat. Dies ist zunächst noch keine Erkrankung, sondern eine Regulationsstörung, die u. a. durch Übergewicht, zu salzhaltige Ernährung, Koffein, Nikotin, Alkohol, Stress oder Bewegungsmangel verursacht werden kann. Bei rund 90 Prozent der Betroffenen ist kein akuter Auslöser feststellbar. Da ein hoher Blutdruck lange Zeit keine unmittelbaren Beschwerden verursacht, sind sich viele ihrer erhöhten Blutdruckwerte gar nicht bewusst. Auch die ersten schwachen Symptome wie morgendliche Kopfschmerzen, leichte Ermüdbarkeit, Herzdruck, leichte Atemnot oder Sehstörungen lassen sich allzu leicht auf Wetterfühligkeit oder allgemeines Unwohlsein schieben. Bleibt Bluthochdruck jedoch unbehandelt, kommt es zu schwerwiegenden, oftmals lebensverkürzenden Folgen. Denn das Herz muss gegen den übermäßigen Druck ankämpfen. Herzmuskelschwäche ist eine der möglichen schwerwiegenden Folgen. Auch die Blutgefäße leiden unter dem hohen Druck, wodurch eine Arteriosklerose begünstigt und Durchblutungsstörungen ausgelöst werden können. Damit steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Bei den Organen, die ebenfalls über längeren Zeitraum dem hohen Druck standhalten müssen, nehmen insbesondere Nieren und Augen Schaden. Die Nierenfunktion kann sich stark verschlechtern. In den Augen können die feinen Blutgefäße platzen und Sehstörungen auftreten.

Die Umstellung der Lebensgewohnheiten mit mehr Bewegung, gesunder Ernährung und Reduzierung des Körpergewichts trägt ganz entscheidend dazu bei, den Blutdruck zu senken. Häufig sind jedoch auch Medikamente notwendig, um schwerwiegende Folgeerkrankungen des Bluthochdrucks zu verhindern. Diese Medikamente können auf ganz unterschiedliche Weise den Blutdruck senken. So beeinflussen ACE-Hemmer und AT1-Blocker das komplizierte System der Blutdruckregulation, in dem sie die Bildung bestimmter Hormone hemmen. Kalziumkanalblocker wirken auf die Muskelzellen der Gefäße und sorgen für eine Erweiterung der Gefäße. Ebenfalls häufig eingesetzt werden Alpha- und Beta-Blocker und Duretika. Alpha- und Beta-Blocker blockieren Rezeptoren am Herzen und den Gefäßwenden, so dass u. a. das Stresshormon Adrenalin, das zum Anstieg der Herzfrequenz und den Blutdrucks führt, gehemmt wird. Duretika sind Wirkstoffe, die dafür sorgen, dass über die Nieren vermehrt Wasser und Salz ausgeschieden werden, was ebenfalls zur Senkung des Blutdrucks beiträgt.

Die meisten Bluthochdruckmedikamente sind gut verträglich. Ältere Menschen neigen allerdings nach Einnahme von Alpha-Blockern häufiger zu Nebenwirkungen als jüngere. Einige der blutdrucksendenden Medikamente sind auf der PRISCUS-Liste als potenziell ungeeignet für ältere Patienten aufgeführt (Quelle: www.priscus.net):

Wirkstoff Mögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sind Medikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werden Therapiealternativen Maßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Antihypertensiva (Alpha-Blocker)
Doxazosin
  • erhöhtes Risiko für Schlaganfälle und Herz-Kreislauferkrankungen
  • Mundtrockenheit
  • Probleme beim Wasserlassen
  • Störungen des zentralen Nervensystems (Depression, Benommenheit)
  • Herzerkrankungen (z. B. Bradykardie, Herzinsuffizienz)
  • Blutdruckabfall (orthostatische Hypotonie)
  • Störung des Wasser- und des Elektrolythaushalts (Exsikkose)
  • Gefäßerkrankungen
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Mundtrockenheit

bei Parazosin außerdem:

  • Glaukom
  • Lungenembolie
  • pulmonale Hypertonie

 

  • ACE-Hemmer
  • AT1-Blocker
  • (Thiazid-)Diuretika
  • Beta-Blocker
  • Kaziumkanalblocker (langsam wirkend)
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion (Blutdruck, Puls, EKG); ggf. Anpassung der Dosierung
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • klinische Kontrolle der Verträglichkeit
  • Dosierungsanpassung/-reduktion

bei Parazosin außerdem:

  • Kontrolle der Leberfunktion
Parazosin
  • Harninkontinenz
Terazosin
  • orthostatische Hypotension (plötzlicher Blutdruckabfall beim Aufstehen mit Schwindel, Unsicherheit, Benommenheit)
  • Herzerkrankungen (z. B. Bradykardie, Herzinsuffizienz)
  • Blutdruckabfall (orthostatische Hypotonie)
  • Urologische Störungen (Harninkontinenz, gutartige Prostatavergrößerung (BHP))
  • Lungenembolie
  • Niereninsuffizienz
  • Leberinsuffizienz
Wirkstoff Mögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sind Medikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werden Therapiealternativen Maßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
andere blutdrucksenkende Wirkstoffe
Clonidin
  • Beeinträchtigung geistiger Leistungsfähigkeit
  • Wirkung auf das zentrale Nervensystem (Müdigkeit, Kopfschmerzen)
  • Orthostatische Dysregulation (Kreislaufbeschwerden beim Lagenwechsel vom Liegen zum Stehen)

bei Reserpin außerdem:

  • Depressionen
  • Störungen des zentralen Nervensystems (Depression, Benommenheit)
  • Herzerkrankungen (z. B. Bradykardie, Herzinsuffizienz)
  • Blutdruckabfall (orthostatische Hypotonie)
  • Störung des Wasser- und des Elektrolythaushalts (Exsikkose)
  • Gefäßerkrankungen
  • Verstopfung (Obstipation)
  • Mundtrockenheit
  • Nebennieren-Tumor (Phäochromozytom)
  • ACE-Hemmer
  • AT1-Blocker
  • (Thiazid-)Diuretika
  • Beta-Blocker
  • Kaziumkanalblocker (langsam wirkend)
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion (Blutdruck, Puls, EKG)
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • klinische Kontrolle der Verträglichkeit
  • Dosierungsanpassung/-reduktion

bei Methyldopa außerdem:

  • Kontrolle der Leberfunktion
Reserpin
  • Störungen des zentralen Nervensystems (Depression, Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit)
  • Parkinson-Syndrom
  • Magen-Darm-Geschwüre
  • Zwölffingerdarm-Geschwür
  • ACE-Hemmer
  • (Thiazid-)Diuretika
  • Beta-Blocker
  • Kaziumkanalblocker (langsam wirkend)
Methyldopa
  • Depression
  • Nierenschäden
  • Leberschäden
  • Immunerkrankungen
  • Blutbildstörungen
  • schwere Herzinsuffizienz
  • ACE-Hemmer
  • (Thiazid-)Diuretika
  • Beta-Blocker
Kalziumkanalblocker
Nifedipin (nicht retardiert)
  • ausgeprägte Kreislaufprobleme
  • erhöhte Sterblichkeit
  • Herzerkrankungen
  • Magen-Darm-Blutungen
  • Verstopfung
  • Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems
  • Blutdruckabfall (orthostatische Hypotonie)
  • Arthralgie
  • plötzliche Durchblutungsstörungen (Apoplex)
  • ACE-Hemmer
  • (Thiazid-)Diuretika
  • Beta-Blocker
  • Kaziumkanalblocker (mit Ausnahme von unretardiertem Nifedipin)
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion (Blutdruck, Puls, EKG)
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Überwachung einer Ödembildung
  • Kontrolle der Leberfunktion
  • Kontrolle der Verträglichkeit
  • Dosierungsanpassung/-reduktion