Demenz

Jeder Mensch vergisst gelegentlich etwas und es ist Teil des natürlichen Alterungsprozesses, dass Konzentrationsvermögen und Gedächtnisfähigkeit – insbesondere das Kurzzeitgedächtnis – nachlassen und die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung abnimmt. Dies ist ein schleichender Prozess, der bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Lässt jedoch die Hirnfunktion deutlich nach, kommt es vermehrt zu Orientierungslosigkeit, Sprach- und Erkennungsstörungen und treten zusätzlich Symptome wie Teilnahmslosigkeit, Antriebsarmut, Angst, Depressionen oder auch starke Gefühlsschwankungen mit Wut, aggressivem Verhalten, Unruhe und starker Erregbarkeit auf, ist dies meist nicht dem natürlichen Alterungsprozess zuzuschreiben. Vielmehr kann es ein Hinweis auf eine demenzielle Erkrankung sein und sollte von einem Arzt untersucht werden.

Da es viele verschiedene Krankheitsformen der Demenz gibt, sind Entwicklung und Verlauf der Hirnleistungsstörung entsprechend unterschiedlich. Man unterscheidet prinzipiell zwischen primären und sekundären Demenzerkrankungen. Primäre Demenzen sind direkt auf Veränderungen im Gehirn zurückzuführen, während sekundäre Demenzen Folge einer vorhandenen Grunderkrankung sind, durch die die Hirnleistung beeinträchtigt wird.

Die häufigste Form der primären Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Sie entsteht hauptsächlich durch Eiweißablagerungen an den Nervenzellen. Diese feinen Eiweißverklumpungen stören die Signalweiterleitung zwischen den Nervenzellen (Neuronen). Dadurch werden funktionstüchtige Zellen geschädigt und verkümmern. Außerdem hat die gestörte Reizübertragung Einfluss auf verschiedene Substanzen im Gehirn. Zum einen sind davon Botenstoffe (Neurotransmitter) betroffen, deren Aufgabe es ist, Informationen zwischen den Hirnzellen zu übermitteln, zum anderen Enzyme, die diese Botenstoffe auf- und abbauen. Gibt es zu viel oder zu wenig von diesen Botenstoffen, dann ist das komplizierte Zusammenspiel der Nervenzellen gestört und es kommt zu irreparablen Beeinträchtigungen der Hirnfunktion. Nicht immer handelt es sich jedoch um eine Demenz vom Alzheimer-Typ, wenn sich die Symptome nachlassender geistiger Leistungsfähigkeit zeigen. Die zweithäufigste primäre Demenzform ist die vaskuläre Demenz. Sie entsteht in Folge von durch Durchblutungsstörungen in den Blutgefäßen, die das Gehirn versorgen. Verantwortlich für diese Durchblutungsstörung können Ablagerungen an den Gefäßen und kleine Schlaganfälle sein. Deutlich seltener sind die Lewy-Körperchen- Demenz, die ähnlich wie Alzheimer durch Eiweißablagerungen ausgelöst wird, die Frontotemporale Demenz (Pick-Krankheit), bei der es zum Abbau von Nervenzellen im Stirn- und Schläfenbereich kommt.

In Deutschland leben derzeit etwa 1,4 Millionen Patienten mit einer demenziellen Erkrankung. Man kann davon ausgehen, dass sich auf Grund der demografischen Entwicklung diese Zahl in den nächsten 30 Jahren mehr als verdoppeln wird.

Die meisten Demenzerkrankungen sind nicht heilbar. Moderne antidementive Medikamente können jedoch das Zusammenspiel und die Reizübertragung zwischen den Nervenzellen stabilisieren und so das Fortschreiten der Erkrankung hinauszögern. Bei vaskulären Demenzen zielt die medikamentöse Behandlung darauf ab, die Hirndurchblutung zu fördern. Weiteres Ziel der Therapie ist die Behandlung der Begleitsymptome wie Depression, Angst, Unruhe, Aggression, Schlafstörungen ect., die bei fast allen Demenzformen auftreten. Hier kommen verschiedene Psychopharmaka zum Einsatz: Antidepressiva gegen Depressionen, Neuroleptika gegen Unruhe, Reizbarkeit, Wahnvorstellungen, Angstzustände, Sedativa gegen Unruhe und Schlafstörungen.

Einige der Antidementiva, die zur Behandlung der Hirnleistungsstörung verordnet werden, sind hinsichtlich ihrer Wirksamkeit umstritten und zudem mit Nebenwirkungen wie Herz-Kreislaufproblemen und Blutdruckstörungen verbunden. Sie sind daher auf der PRISCUS-Liste als potenziell ungeeignet für ältere Patienten aufgeführt (Quelle: www.priscus.net). Auch einige der Psychopharmaka zur Behandlung der Begleitsymptome stehen auf der PRISCUS-Liste. Siehe dazu die Kapitel: Depressionen, Schlafstörungen, Psychische Erkrankungen.

Wirkstoff Mögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sind Medikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werden Therapiealternativen Maßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Pentoxifyllin
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schwindel, Zittern, Kopfschmerzen
  • Magen-Darm-Geschwüre

 

  • Acetylcholinerasehemmer
  • Memantine
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Kontrolle des Blutbildes
  • Dosisreduktion
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion
Naftidrofuryl
  • Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Unruhe, Schwindel
  • Blutdruckabfall
  • Magen-Darm-Beschwerden
 
Nicergolin

Wirksamkeit ist zweifelhaft

  • Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit
  • Müdigkeit
  • Niereninsuffizienz
Wirkstoff Mögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sind Medikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werden Therapiealternativen Maßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Piracetam

Wirksamkeit ist zweifelhaft

  • Unruhe, Aggressivität
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Blutdruckveränderungen
  • Niereninsuffizienz
  • Chorea Huntigton
  • vorliegende Hirnblutungen
  • Acetylcholinerasehemmer
  • Memantine
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Kontrolle des Blutbildes
  • Dosisreduktion
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion
Dihydroergotoxin
  • Schwindel
  • starke Müdigkeit, Benommenheit
  • Blutdruckabfall
  • Gangunsicherheit
  • Übelkeit, Erbrechen
   
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion
  • Kontrolle des Blutdrucks
  • EKG- und Echokardiografie