Depressionen

Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, unter denen auch viele ältere Menschen leiden. Sinnvollerweise besteht die Behandlung aus einer Kombination von Psychotherapie und medikamentöser Therapie. Die Medikamente zur Therapie von Depressionen werden allgemein als Antidepressiva bezeichnet. Antidepressiva greifen in den Hirnstoffwechsel ein, in dem sie die Menge und Aktivität der verschiedenen Botenstoffe (z. B. Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Melatonin), die für die Informations- und Reizweiterleitung zwischen den Nervenzellen zuständig sind, beeinflussen. Dies kann über verschiedene Wirkmechanismen erfolgen.

Abhängig davon, welche Botenstoffe in welcher Form reguliert werden, können Antidepressiva zu Nebenwirkungen führen. Auf der Liste möglicher Nebenwirkungen stehen z. B. Übelkeit, Schwindel, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder auch Bluthochdruck, also Folgeerscheinungen, die für viele ältere Patienten problematisch werden können. Außerdem lässt altersbedingt die Produktion von Nervenbotenstoffen nach, so dass ältere Menschen im allgemeinen empfindlicher auf Medikamente reagieren, die in die Informationsübertragung des Nervensystems eingreifen. Ein wichtiger Nervenbotenstoff, der durch die Medikamente beeinflusst wird, ist Acetycholin. Die dadurch verursachten Nebenwirkungen werden als anticholinerge Effekte bezeichnet. Dazu gehören Mundtrockenheit, erweiterte Pupillen und Probleme beim Scharfstellen der Augen, Probleme bei der Blasenentleerung (Miktionsstörungen), Verstopfung (Obstipation), Übererwärmung des Körpers (Hyperthermie), Blutdruckanstieg, Herzrasen (Tachykardie). Diese anticholinergen Effekte wirken sich bei älteren Menschen sehr viel deutlicher aus. Gleiches gilt für Wirkstoffe, die einen dämpfenden (sedierenden) Effekt auf das Nervensystem haben.

Folgende Substanzen aus der Gruppe der Antidepressiva sind auf der PRISCUS-Liste als potenziell ungeeignet für ältere Patienten aufgeführt (Quelle: www.priscus.net):

Wirkstoff Mögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sind Medikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werden Therapiealternativen Maßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Klassische Antidepressiva
Amitriptylin
  • delirante Syndrome (Verwirrtheit, Desorientiertheit, Halluzinationen, Benommenheit)
  • erhöhtes Risiko für Hüftfrakturen
  • anticholinerge Effekte (u. a. Mundtrockenheit, Verstopfung, verminderte Tränenproduktion, erhöhte Herzfrequenz)
  • erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien
  • Risikoerkrankungen in Bezug auf anticholinerge Effekte (Glaukom, Miktionsstörung, Obstipation)
  • schwere Herzerkrankungen (z. B. Erregungsleitstörungen, Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz)
  • Funktionsstörungen des Zentralen Nervensystems (z. B. Demenz, Delir)
  • Niereninsuffizienz
  • Leberfunktionsschäden
  • Blutdruckstörungen (Hyptonie)
  • Blutbildschäden, Blutkrankheiten (Dyskrasien)
  • SSRI (z. B. Citalopram, Esatalopram, Sertralin)
  • Mirtazapin
  • therapeutisches Drug-Monitoring und EKG-Kontrolle
  • regelmäßige Kontrolle des Blutbildes
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Kontrolle der Leberfunktion
  • Überwachung der anticholinergen Effekte (insbesondere Beobachtung neurologischer und kognitiver Leistungen, Sturzanamnese, Suizidalität)
  • Kontrolle von Blutungskomplikationen
  • EEG-Kontrolle
  • Blutspiegelkontrolle
  • Dosierungsanpassung/ -reduzierung
Doxepin
  • delirante Syndrome (Verwirrtheit, Desorientiertheit, Halluzinationen, Benommenheit)
  • erhöhtes Risiko für Hüftfrakturen
  • Mundtrockenheit
  • Schwindel
  • Lethargie
Imipramin
  • Delirante Syndrome (Verwirrtheit, Desorientiertheit, Halluzinationen, Benommenheit, innere Unruhe)
  • erhöhtes Risiko für Hüftfrakturen
 
Clomipramin
  • orthostatische Dysregulation (verstärkten Blutdruckabfall im Stehen)
  • anticholinerge Effekte (s. o.)
 
Maprotilin
  • Herzrhythmusstörungen
  • Erkrankungen des Blutes
  • Hautreaktionen
  • sedierende Wirkung
 
Trimipramin
  • Herzrhythmusstörungen
  • Reizleitungsstörungen
  • Risikoerkrankungen in Bezug auf anticholinerge Effekte (Glaukom, Miktionsstörung, Obstipation)
  • schwere Herzerkrankungen (z. B. Erregungsleitstörungen, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Hypertonie)
  • Funktionsstörungen des Zentralen Nervensystems (z. B. Demenz, Delir)
  • Blutdruckstörungen (Hyptonie)
  • Blutbildschäden, Blutkrankheiten (Dyskrasien)
  • SSRI (z. B. Citalopram, Esatalopram, Sertralin)
  • Mirtazapin
  • nichtmedikamentöse Therapien (verhaltenstherapeutische Verfahren)
Wirkstoff Mögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sind Medikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werden Therapiealternativen Maßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Fluoxetin
  • Hyponatriämie (Natriummangel)
  • Übelkeit
  • Schlafstörungen
  • Urologische Störungen (z. B. gutartige Prostatavergrößerung, Harnverhalt, Harninkontinenz)
  • Funktionsstörungen des Zentralen Nervensystems (z. B. Demenz, Delir)
  • Störungen im Magen-Darm-Trakt, schwere Verstopfung
  • Immunerkrankungen
  • Hyponatriämie
  • Blutdruckstörungen (Hypotonie)
  • Koronare Herzkrankheit
  • SSRI (z. B. Citalopram, Esatalopram, Sertralin)
  • Trazodond
  • Mirtazapin
  • nichtmedikamentöse Therapien (verhaltenstherapeutische Verfahren)
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • regelmäßige Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion
  • Beobachtung möglicher Nebenwirkungen wie Schlafstörung und Übelkeit
  • Kontrolle der Leberfunktion
  • Kontrolle des Blutzuckers bei Diabetikern
  • Dosierungsanpassung/ -reduzierung
Mono-Amino-Oxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)
Tranylcypromin
  • Hypertonie (Blutdruckkrisen, Hirnblutungen)
  • maligne Hyperthermie
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Blutdruckabfall (orthostatische Hypotonie, Kollaps)
  • Störungen des Zentralen Nervensystems (z. B. Demenz, Delir)
  • Pnäochromozyten
  • Thyreotoxikose
  • Blutbildschäden, Blutkrankheiten (Dyskrasien)
  • SRRI (außer Fluoxetin)
  • nichtmedikamentöse Therapien (verhaltenstherapeutische Verfahren)
  • regelmäßige Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion
  • Kontrolle der Verträglichkeit
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Kontrolle der Leberfunktion
  • Kontrolle des Blutbildes
  • Dosierungsanpassung/-reduzierung