Herzerkrankungen/Herzrhythmusstörungen

Das rhythmische Zusammenziehen und Entspannen der Herzmuskulatur sorgt dafür, dass in jeder Minute durchschnittlich fünf Liter Blut durch den Körper gepumpt werden. Anstrengungen, Aufregung, die Wirkung bestimmter Medikamente und verschiedene Erkrankungen z. B. Entzündungen des Herzmuskelgewebes und der Herzklappen, Koronare Herzkrankheit und Lungenerkrankungen können den natürlichen Rhythmus des Herzschlages beeinflussen. Mit zunehmendem Alter wächst das Risiko für Herzrhythmusstörungen, da wie bei jedem anderen Muskel auch, die Leistungsfähigkeit des Herzmuskels abnimmt. Außerdem treiben ungesunde Lebensumstände wie Übergewicht, Alkoholkonsum, Bewegungsarmut und Stress den Blutdruck in die Höhe, begünstigen eine Arteriosklerose und können damit die Funktion des Herzens so beeinträchtigen, dass es aus dem Takt gerät.

Schlägt das Herz zu langsam mit weniger als 60 Herzschlägen pro Minute, spricht man von einer bradykarden Herzrhythmusstörung oder Bradykardie. Als Tachykardie wird ein zu schneller Herzschlag mit mehr als 100 Schlägen pro Minute bezeichnet. Die häufigste Form der tachykarden Herzrhythmusstörung ist das Vorhofflimmern, das sich durch plötzliches Herzrasen bemerkbar macht, zu Kurzatmigkeit, Schwindel und Schwäche führen kann.

Vorübergehende Herzrhythmusstörungen sind noch nicht bedrohlich. Da sie jedoch die Pumpleistung des Herzens vermindern, können Durchblutungsstörungen auftreten. Außerdem verändert sich durch häufigeres Vorhofflimmern die Strömungseigenschaft des Blutes. Wenn es sich nicht mehr richtig durchmischt, können sich Gerinnsel bilden, die die Blutgefäße verstopfen. Das Risiko, dadurch einen Schlaganfall zu erleiden, ist hoch.

Je nach Schwere und Ursache der Herzrhythmusstörung gibt es verschiedene Therapiemöglichkeiten. So gibt es z. B. die Möglichkeit, einen Herzschrittmacher zu implantieren. Häufig lässt sich eine Herzrhythmusstörung auch medikamentös behandeln. Die Medikamente, bezeichnet als Antiarrhythmika, können auf ganz unterschiedliche Weise den Herzschlag regulieren. Einige verändern z. B. die Mineralienkonzentration in den Herzmuskel- und Herznervenzellen, wodurch Herzfrequenz und Reizweiterleitung beeinflusst werden. Die sogenannten Beta-Blocker blockieren Beta-Rezeptoren am Herzen und Gefäßwänden und dämpfen auf diese Weise die Weiterleitung von Nervenreizen, senken Herzschlag und Blutdruck.

Bei fast allen Herzmedikamenten findet man längere Listen mit möglichen unerwünschten Nebenwirkungen und Begleiterscheinungen. Auch müssen stets mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten beachtet werden. Da das Nervensystem mit zunehmendem Alter empfindlicher reagiert, haben ältere Menschen ein höheres Risiko für Nebenwirkungen. Einige der Antiarrhythmika sind explizit auf der PRISCUS-Liste als potenziell ungeeignet für ältere Patienten aufgeführt (Quelle: www.priscus.net):

Wirkstoff Mögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sind Medikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werden Therapiealternativen Maßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Antiarrhythmika (Natriumkanalblocker)
Chinidin (in Deutschland nur in Kombinationspräparaten erhältlich)
  • erhöhte Anfälligkeit für Nebenwirkungen, die das Zentrale Nervensystem betreffen, z. B. Erregtheit, Ruhelosigkeit, Depressionen, Wahnvorstellungen
  • Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Veränderungen oder Verstärkungen der Herzrhythmusstörungen
  • für Patienten über 75 Jahre ist Cordichinin®, eine Kombination von Chinidin und Verapamil (Kalziumkanalblocker) nicht geeignet
  • Herzerkrankungen (schwere Herzinsuffizienz)
  • Myasthenia gravis

Abhängig vom Krankheitsbild und Art der Herzrhythmusstörung:

  • Beta-Blocker
  • Verapamil, Diltiazem (Kalziumkanalblocker)
  • Amiodaron (Kaliumkanalblocker)
  • Regelmäßige Kontrolle der Medikation
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion (Blutdruck, Puls, EKG, Kontrolle auf Proarrhythmie)
  • Kontrolle des Blutbildes
  • Kontrolle der Leberfunktion
  • Kontrolle möglicher Wirkungen auf das Nervensystem
  • Kontrolle möglicher Magen-Darm-Beschwerden
  • Dosisanpassung und -reduktion (niedrigst mögliche Dosierung)
Flecainid
  • erhöhte Anfälligkeit für die auf dem Beipackzettel angezeigten Nebenwirkungen, z. B.: Schwindel
  • Sehstörungen (Doppeltsehen)
  • Veränderungen oder Verstärkungen der Herzrhythmusstörungen
  • Herzerkrankungen (z. B. koronare Herzkrankheit (KHK), Herzinsuffizienz)
  • niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Elektrolytstörungen
  • Niereninsuffizienz

Abhängig vom Krankheitsbild und Art der Herzrhythmusstörung:

  • Beta-Blocker
  • Amiodaron (Kaliumkanalblocker)
Wirkstoff Mögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sind Medikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werden Therapiealternativen Maßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Antiarrhythmika (Beta-Blocker)
Sotalol
  • erhöhte Anfälligkeit für die auf dem Beipackzettel angezeigten Nebenwirkungen, z. B.:
  • Einschränkung der Nierenfunktion
  • Fettstoffwechselstörungen
  • Schwindel, Benommenheit
  • Atemnot
  • Angstzustände, Verwirrtheit, Stimmungsschwankungen
  • Veränderungen oder Verstärkung der Herzrhythmusstörungen
  • Herzerkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz, Bradykardien)
  • Niereninsuffizienz
  • Asthma
  • Elektrolytstörungen
  • niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthereose)

Abhängig vom Krankheitsbild und Art der Herzrhythmusstörung:

  • andere Beta-Blocker (kardioselektive Beta-Blocker, Metoporol, Bisoprolol, Carvedilol)
  • Amiodaron (Kaliumkanalblocker)
  • Propafenon
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion (Blutdruck, Puls, EKG)
  • Kontrolle des Blutbildes
  • Kontrolle der Lungenfunktion
  • Dosisanpassung und -reduktion (niedrigst mögliche Dosierung)
Antiarrhythmika (Herzglycoside)
Digoxin, Acetyldigoxin, Metildigoxin
  • Bei älteren Menschen besteht höhere Glykosidempfindlichkeit, sie sind daher anfälliger für Nebenwirkungen, z. B.:
  • höheres Sturzrisiko
  • Störungen der Herzfrequenz
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit
  • Risiko einer Überdosierung (Digitalis- Intoxikation (Vergiftung))
  • Niereninsuffizienz
  • Elektrolytstörungen
  • Herzerkrankungen (z. B. Bradykardien)
  • Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthereose)
  • Beta-Blocker (bei Tachykardie/ Vorhofflimmern)
  • bei Herzschwäche Diuretika (Medikamente, die dafür sorgen, dass die Nieren vermehrt Salz und Wasser ausscheiden), ACE-Hemmer
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • engmaschige therapeutische Medikationsüberwachung bei Verdacht auf lntoxikation (Kontrolle des Digoxin-Spiegels)
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion (Blutdruck, Puls, EKG)
  • Dosisanpassung und -reduktion (niedrigst mögliche Dosierung)