Magen-Darm-Erkrankungen

Magen-Darm-Beschwerden mit krampfartigen Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfällen, Übelkeit und Erbrechen können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Akute, plötzlich auftretende Beschwerden sind häufig eine Reaktion auf unverträgliches Essen. Anhaltende Schmerzen und wiederholt auftretende Magen-Darm-Probleme können auch Symptome einer Erkrankung sein und durch organische Veränderungen verursacht werden.

Die häufigste Funktionsstörung des Magen-Darm-Traktes, die zu den genannten Verdauungsbeschwerden führt, ist das Reizdarmsyndrom. Die genauen Ursachen sind bislang nicht eindeutig geklärt, vielmehr dürften verschiedene Faktoren bei der Entwicklung des Reizdarms eine Rolle spielen. Dies sind u. a. Darminfektionen und eine gestörte Darmflora, Störungen der Darmbeweglichkeit, einseitige Ernährung, Nebenwirkungen von Medikamenten, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und -allergien, Stress und psychische Belastungen. Das Reizdarmsyndrom betrifft gleichsam ältere wie jüngere Menschen. Auch wenn es sich nicht um eine bedrohliche Erkrankung handelt, sind die Symptome für die Betroffenen zum Teil stark belastend. Außerdem sollte man bei anhaltenden Beschwerden einen Arzt um Rat fragen und abklären lassen, ob möglicherweise eine chronisch entzündliche Darmerkrankung, Darmtumore oder organische Veränderungen die Ursache sind.

Leiden ältere Menschen unter chronischer Verstopfung, in der Medizin Obstipation genannt, liegt dies häufig an altersbedingten Veränderungen des Darms. Da die Elastizität des Bindegewebes nachlässt, dehnt sich die Darmwand aus, mitunter entstehen auch sackartige Ausstülpungen (Divertikel). Das hat zur Folge, dass der Stuhl mehr Platz im Darm hat, dort länger verbleibt und ihm mehr Wasser entzogen werden kann.

Auch einige Erkrankungen, die mit zunehmendem Alter häufiger auftreten, führen zur verminderten Darmtätigkeit und Verstopfung. Dazu gehören z. B. die Parkinson-Krankheit, eine Unterfunktion der Schilddrüse (Hypothyreose) und Nervenstörungen in der Darmmuskulatur bei Diabetes mellitus. Bei der Behandlung der Verstopfung wird man zunächst versuchen, ohne Medikamente auszukommen. Zu den verdauungsfördernden Maßnahmen gehören ausreichende Bewegung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, ballaststoffreiche, ausgewogene Ernährung, das Weglassen von belastenden Nahrungsmitteln sowie das Meiden von Stress. Bringt dies dauerhaft keine Besserung, kann eine Arzneimitteltherapie weiterhelfen. Die verordneten Abführmittel (Laxantien) enthalten z. B. Quellstoffe, um das Stuhlvolumen zu vergrößern und die Darmtätigkeit anzuregen, andere Präparate halten Wasser im Darm zurück, binden Wasser oder machen den Stuhl mithilfe von Schmiermitteln weicher. All diese Abführmittel sollten möglichst nur in Absprache mit dem Arzt und nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Spontane Übelkeit und Erbrechen ist häufig eine Schutzreaktion, wenn wir schädliche oder unverdauliche Substanzen und Nahrungsmittel verzehrt haben, die der Körper nun schnell wieder loswerden möchte. In diesem Fall sind die Auslöser meist schnell erkannt. Hält die Übelkeit und das Unwohlsein über längere Zeit an, können Infektionen des Magen-Darm-Traktes die Ursache sein. Aber auch verschiedene Erkrankungen der Verdauungsorgane, Funktionsstörungen von Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse sowie Erkrankungen des zentralen Nervensystems und des Stoffwechsels gehen mit Übelkeit einher. Um dies abzuklären, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Treten die Symptome nach Einnahme von Medikamenten auf (z. B. Antibiotika, Beruhigungsmittel), sollte dies ebenfalls mit dem Arzt besprochen und die Medikation ggf. umgestellt werden. Lässt sich die Ursache für Übelkeit und Erbrechen nicht beheben, kann der Arzt Arzneimittel dagegen verordnen. Es stehen verschiedene Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen und Nebenwirkungsprofil zur Verfügung. Einige der Wirkstoffe mindern Brechreiz und Übelkeit, indem sie das Nervensystem beeinflussen. Bei Anwendung dieser Wirkstoffe muss beachtet werden, dass die Nervenzellen im Alter empfindlicher reagieren und Nebenwirkungen wie z. B. nachlassendes Reaktionsvermögen, Müdigkeit und Bewegungsarmut verstärkt auftreten können. Um die Nebenwirkungen gering zu halten, sollten die Medikamente gering dosiert nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Von den Medikamenten, die gelegentlich zur Behandlung von Verstopfung sowie Übelkeit und Erbrechen verordnet werden, steht jeweils ein Wirkstoff auf der PRISCUS-Liste, der für die Therapie bei älteren Patienten nicht empfohlen wird (Quelle: www.priscus.net):

Wirkstoff Mögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sind Medikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werden Therapiealternativen Maßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Abführmittel (Laxantien)
dickflüssiges Paraffin
  • Lungenentzündung (Lipidpneumonie)
  • erhöhtes Risiko, sich zu verschlucken (Aspirationsgefahr)
  • Störungen des Magen-Darm- Traktes
  • Darmverschluss
  • Schluckstörungen
  • Laxantien, die Wasser binden (osmotisch wirksame Laxantien), z. B. Macrogol, Lactulose
 
Medikamente gegen das Erbrechen (Antiemetika)
Dimenhydrinat
  • Müdigkeit, Benommenheit
  • anticholinerge Effekte (Mundtrockenheit, Herzrasen, Verstopfung, Probleme bei der Blasenentleerung (Miktionsstörungen), erhöhter Augeninnendruck)
  • Erkrankungen mit erhöhter Anfälligkeit für anticholinerge Effekte (Demenz, Miktionsstörungen, Glaukom, Obstipation)
  • niedriger Blutdruck (Hypotonie), Schwindel, Sturzgefahr
  • Störungen des zentralen Nervensystems (Epilepsie, Delir)
  • Urologische Störungen
  • Asthma
  • Vergiftungen (Alkohol, Medikamente)
  • Durchblutungsstörungen im Gehirn
  • Tumor des Nebennierenmarks (Phäochromozytom)
  • Domperidon
  • Metoclopramid
  • Kontrolle der Verträglichkeit und anticholinergen Effekte (Sturzanamnese, Überprüfung neurologischer und geistiger Leistungsfähigkeiten)
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Kontrolle der Lungenfunktion
  • Kontrolle des Blutbildes
  • Kontrolle des Blutdrucks
  • Kontrolle von Blutungskomplikationen
  • möglichst niedrig dosiert