Schmerzen

Studien zeigen, dass über 50 Prozent der Europäer, die älter als 75 Jahre sind, täglich unter mäßigen bis starken Schmerzen leiden. Zu den häufigsten Ursachen von Schmerzen gehören bei der Generation der über 60-Jährigen degenerative Erkrankungen des Bewegungs- und Stützapparates, wie z. B. Arthrose und die Folgeerkrankungen der Osteoporose (wie Wirbelkörperfrakturen), rheumatische Erkrankungen, Nervenerkrankungen und Veränderungen an Muskeln und Sehnen. Schmerzen bei Krebsleiden nehmen aufgrund der altersabhängigen Zunahme dieser Erkrankungen zu. Zu den häufigsten Ursachen chronischer Schmerzen gehören:

  • Spezifische Rückenschmerzen (z. B. nach Bandscheibenerkrankungen)
  • Nicht spezifische Rückenschmerzen
  • Kopfschmerzen (u. a. Migräne, Spannungskopfschmerz)
  • Rheumatische Schmerzen (z. B. arthritisbedingte Schmerzen, Fibromyalgie)
  • Nervenschmerzen (z. B. Neuralgien, Gürtelrose, Polyneuropathien)
  • Tumorschmerzen (vor allem bei Knochenmetastasen)
  • Schmerzen durch Abbauprozesse (degenerative Schmerzen, u. a. Osteoporose, Arthrose)

Grundlage für die Behandlung ist die möglichst genaue Charakterisierung der Schmerzen. Dazu müssen zunächst die Ursachen des akuten oder chronischen Schmerzes gefunden und der Schmerzmechanismus erkannt werden. Unterschieden wird zwischen Rezeptorschmerzen, ausgelöst durch Verletzungen oder Entzündungen, Nervenschmerzen, ausgelöst durch Schädigungen oder Fehlfunktionen der Nervenfasern oder einer Mischform aus beidem, dem gemischten Schmerz. Als zentrales Element der Schmerzdiagnostik dient ein standardisierter Schmerzfragebogen, der Lokalisation, Charakteristik und Qualität sowie Aussagen zur Intensität des Schmerzes erfasst. Die Auswertung ermöglicht eine individuelle mechanismenorientierte Therapie. Bewährt hat sich eine Kombination aus medikamentöser Therapie, die in den Mechanismus der Schmerzentstehung eingreift, und verschiedener nichtmedikamentöser Behandlungsverfahren, dazu gehören körperliche Therapien (z. B. Bewegungstherapie, Physiotherapie, physikalische Therapien) sowie verschiedene psychologische Verfahren (z. B. Verhaltens- und Entspannungstraining).

Als Schmerzmedikamente (Analgetika) kommen Nichtopioide und Opioide zum Einsatz. Einige Analgetika mit entzündungshemmenden Wirkstoffen (Antiphlogistika) sind auf der PRISCUS-Liste als potenziell ungeeignet für ältere Patienten aufgeführt (Quelle: www.priscus.net):

Wirkstoff Mögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sind Medikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werden Therapiealternativen Maßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Gruppe der nichtsteroidalen antientzündlichen Wirkstoffe (NSAID)
Indometacin
  • hohes Risiko für Geschwüre und Blutungen im Magen-Darm-Trakt (Gastrointestinale Blutungen)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

bei Etoricoxib außerdem:

  • erhöhtes Risiko für Herz- und Gefäßerkrankungen (kardiovaskuläres Risiko)
  • Magen- oder Darmgeschwüren, schweren entzündlichen Darmerkrankungen
  • Herz-Kreislauferkrankungen (Bluthochdruck, Herzinsuffizienz)
  • schwere Leberfunktionsstörung
  • schwere Nierenfunktionsstörung
  • Blutungsneigungen
  • nach Herzoperationen (By-Pass)

bei Piroxicam außerdem:

  • Bluterkrankungen
  • Blutbildveränderungen

bei Etoricoxib außerdem:

  • arterielle Verschlusskrankheit
  • psychogeriatrische Krankheitsbilder
  • Paracetamol
  • schwach wirksame Opioide (Tramadol, Codein)
  • ggf. schwächere NSAID (z. B. Ibuprofen)
  • Metamizol (nach sorgfältiger Nutzen- Risiko-Abwägung)
  • nicht medikamentöse Maßnahmen wie Kühlung, Entlastung, physikalische Therapie, Schmerzbewältigungsstrategien, Entspannungstherapien
  • Kombinationstherapie mit vorbeugenden Magenschutzmitteln
  • Kontrolle des Magen-Darm-Traktes hinsichtlich Geschwürbildung, Blutungen
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Kontrolle der Leberfunktion
  • Kontrolle des Blutdrucks
  • Kontrolle der Herzfunktion (Risiko Herzinsuffizienz)
  • Anwendungsdauer möglichst nicht länger als 2 Wochen

 

bei Etoricoxib außerdem:

  • Abklärung und Kontrolle des kardiovaskulären Risikos
Acemetacin
Ketoprofen
Phenylbutazon
Piroxicam
Meloxicam
Etoricoxib
Wirkstoff Mögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sind Medikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werden Therapiealternativen Maßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Opioid-Analgetika
Pethidin
  • erhöhtes Delir-Risiko (Bewusstseins- und Wahrnehmungsstörungen, Orientierungslosigkeit, Halluzinationen, psychosomatische Störungen, Unruhe, Schlaflosigkeit
  • Nierenfunktionsstörungen
  • Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems (kognitive Einschränkung, Suchterkrankungen, Epilepsie)
  • Paracetamol
  • andere Opioide mit geringerem Delir-Risiko, z. B. Tilidin/Naloxon, Morphin, Oxycodon, Buprenorphin, Hydromorphon
  • ggf. schwächere NSAID (z. B lbuprofen)
  • Metamizol (nach sorgfältiger Nutzen- Risiko-Abwägung)
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Überwachung der Funktionen des zentralen Nervensystems
  • Prüfung von Gangsicherheit, Sturzrisiko
  • Kreislaufkontrolle
  • kurze Anwendungsdauer