Depressionen

361130RKTRGB75Depressionen gehören zu den häufigsten psychischen Erkrankungen, an denen auch viele ältere Menschen leiden. Wodurch Depressionen verursacht werden, lässt sich bislang nicht exakt erklären. Es ist zumeist ein Zusammenspiel verschiedener auslösender Faktoren. Dazu können seelische und psychosoziale Belastungen wie z. B. Trauer, Krankheit, Stress, eine genetische Veranlagung sowie biologische Vorgänge im Zentralnervensystem gehören.

Viele Betroffene unterschätzen das Ausmaß und die Folgen der Erkrankung und nehmen deshalb keine medizinische Hilfe in Anspruch. Im Stillen weiterzuleiden, ist jedoch völlig falsch. Denn, das ist die gute Nachricht für alle Betroffenen und ihre Angehörigen: Depressionen lassen sich erfolgreich behandeln.

Behandlungsmaßnahmen:

Mit Hilfe der Psychotherapie in Kombination mit einer medikamentösen Behandlung kann heutzutage ganz gezielt gegen die depressive Störung vorgegangen werden. Neben den therapeutischen Maßnahmen können bestimmte Verhaltensweisen und die Lebensführung dazu beitragen, nach und nach wieder mehr Lebensqualität zu empfinden. Ein erster wichtiger Rat lautet, achtsam zu sein und sich nicht zu überfordern.

Abhängig davon, welche Botenstoffe in welcher Form reguliert werden, können Antidepressiva zu Nebenwirkungen führen. Auf der Liste möglicher Nebenwirkungen stehen z. B. Übelkeit, Schwindel, Schlafstörungen, Kopfschmerzen oder auch Bluthochdruck, also Folgeerscheinungen, die für viele ältere Patienten problematisch werden können. Außerdem lässt altersbedingt die Produktion von Nervenbotenstoffen nach, so dass ältere Menschen im Allgemeinen empfindlicher auf Medikamente reagieren, die in die Informationsübertragung des Nervensystems eingreifen. Ein wichtiger Nervenbotenstoff, der durch die Medikamente beeinflusst wird, ist Acetylcholin. Die dadurch verursachten Nebenwirkungen werden als anticholinerge Effekte bezeichnet. Dazu gehören Mundtrockenheit, erweiterte Pupillen und Probleme beim Scharfstellen der Augen, Probleme bei der Blasenentleerung (Miktionsstörungen), Verstopfung (Obstipation), Übererwärmung des Körpers (Hyperthermie), Blutdruckanstieg, Herzrasen (Tachykardie). Diese anticholinergen Effekte wirken sich bei älteren Menschen sehr viel deutlicher aus. Gleiches gilt für Wirkstoffe, die einen dämpfenden (sedierenden) Effekt auf das Nervensystem haben.

Hinweise für den Alltag

  • Halten Sie sich an die Therapieempfehlungen Ihrer Ärzte. Sollten Ihnen Antidepressiva verordnet worden sein, so setzen Sie diese nicht eigenmächtig ab und ändern Sie nicht die Dosierung.
  • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung und folgen Sie den Ernährungsempfehlungen Ihres Arztes.Verzichten Sie auf Alkohol und Zigaretten.
  • Treiben Sie, wenn möglich, in angemessenem Rahmen Sport. Bewegung wirkt sich positiv auf das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem aus. Zudem setzt das Gehirn beim Sport Botenstoffe frei, die die Stimmung verbessern. Krebspatienten können an Rehabilitationssportangeboten teilnehmen.
  • Strukturieren Sie Ihren Tag.
  • Achten Sie auf Ihren Biorhythmus. Versuchen Sie, ausreichend zu schlafen und einen festen Schlaf-Wach-Rhythmus einzuhalten.
  • Tanken Sie täglich, nach Möglichkeit morgens, etwa eine halbe Stunde Tageslicht. Diese natürliche Lichttherapie stärkt das Wohlbefinden.
  • Versuchen Sie, Kontakte zu pflegen und am sozialen Leben teilzunehmen.
  • Suchen Sie sich ein Hobby oder eine regelmäßige Betätigung, die Ihnen Spaß macht.
  • Nehmen Sie anhaltende körperliche Beschwerden und länger andauernde Stimmungstiefs ernst und wenden Sie sich baldmöglichst damit an einen Arzt.
WirkstoffMögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sindMedikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werdenTherapiealternativenMaßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Klassische Antidepressiva
Amitriptylin
  • delirante Syndrome (Verwirrtheit, Desorientiertheit, Halluzinationen, Benommenheit)
  • erhöhtes Risiko für Hüftfrakturen
  • anticholinerge Effekte (u. a. Mundtrockenheit, Verstopfung, verminderte Tränenproduktion, erhöhte Herzfrequenz)
  • erhöhtes Risiko für venöse Thromboembolien
  • Risikoerkrankungen in Bezug auf anticholinerge Effekte (Glaukom, Miktionsstörung, Obstipation)
  • schwere Herzerkrankungen (z. B. Erregungsleitstörungen, Koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz)
  • Funktionsstörungen des Zentralen Nervensystems (z. B. Demenz, Delir)
  • Niereninsuffizienz
  • Leberfunktionsschäden
  • Blutdruckstörungen (Hyptonie)
  • Blutbildschäden, Blutkrankheiten (Dyskrasien)
  • SSRI (z. B. Citalopram, Esatalopram, Sertralin)
  • Mirtazapin
  • therapeutisches Drug-Monitoring und EKG-Kontrolle
  • regelmäßige Kontrolle des Blutbildes
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Kontrolle der Leberfunktion
  • Überwachung der anticholinergen Effekte (insbesondere Beobachtung neurologischer und kognitiver Leistungen, Sturzanamnese, Suizidalität)
  • Kontrolle von Blutungskomplikationen
  • EEG-Kontrolle
  • Blutspiegelkontrolle
  • Dosierungsanpassung/ -reduzierung
Doxepin
  • delirante Syndrome (Verwirrtheit, Desorientiertheit, Halluzinationen, Benommenheit)
  • erhöhtes Risiko für Hüftfrakturen
  • Mundtrockenheit
  • Schwindel
  • Lethargie
Imipramin
  • Delirante Syndrome (Verwirrtheit, Desorientiertheit, Halluzinationen, Benommenheit, innere Unruhe)
  • erhöhtes Risiko für Hüftfrakturen
 
Clomipramin
  • orthostatische Dysregulation (verstärkten Blutdruckabfall im Stehen)
  • anticholinerge Effekte (s. o.)
 
Maprotilin
  • Herzrhythmusstörungen
  • Erkrankungen des Blutes
  • Hautreaktionen
  • sedierende Wirkung
 
Trimipramin
  • Herzrhythmusstörungen
  • Reizleitungsstörungen
  • Risikoerkrankungen in Bezug auf anticholinerge Effekte (Glaukom, Miktionsstörung, Obstipation)
  • schwere Herzerkrankungen (z. B. Erregungsleitstörungen, Herzinsuffizienz, Herzinfarkt, Hypertonie)
  • Funktionsstörungen des Zentralen Nervensystems (z. B. Demenz, Delir)
  • Blutdruckstörungen (Hyptonie)
  • Blutbildschäden, Blutkrankheiten (Dyskrasien)
  • SSRI (z. B. Citalopram, Esatalopram, Sertralin)
  • Mirtazapin
  • nichtmedikamentöse Therapien (verhaltenstherapeutische Verfahren)
WirkstoffMögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sindMedikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werdenTherapiealternativenMaßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI)
Fluoxetin
  • Hyponatriämie (Natriummangel)
  • Übelkeit
  • Schlafstörungen
  • Urologische Störungen (z. B. gutartige Prostatavergrößerung, Harnverhalt, Harninkontinenz)
  • Funktionsstörungen des Zentralen Nervensystems (z. B. Demenz, Delir)
  • Störungen im Magen-Darm-Trakt, schwere Verstopfung
  • Immunerkrankungen
  • Hyponatriämie
  • Blutdruckstörungen (Hypotonie)
  • Koronare Herzkrankheit
  • SSRI (z. B. Citalopram, Esatalopram, Sertralin)
  • Trazodond
  • Mirtazapin
  • nichtmedikamentöse Therapien (verhaltenstherapeutische Verfahren)
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • regelmäßige Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion
  • Beobachtung möglicher Nebenwirkungen wie Schlafstörung und Übelkeit
  • Kontrolle der Leberfunktion
  • Kontrolle des Blutzuckers bei Diabetikern
  • Dosierungsanpassung/ -reduzierung
Mono-Amino-Oxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)
Tranylcypromin
  • Hypertonie (Blutdruckkrisen, Hirnblutungen)
  • maligne Hyperthermie
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Blutdruckabfall (orthostatische Hypotonie, Kollaps)
  • Störungen des Zentralen Nervensystems (z. B. Demenz, Delir)
  • Pnäochromozyten
  • Thyreotoxikose
  • Blutbildschäden, Blutkrankheiten (Dyskrasien)
  • SRRI (außer Fluoxetin)
  • nichtmedikamentöse Therapien (verhaltenstherapeutische Verfahren)
  • regelmäßige Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion
  • Kontrolle der Verträglichkeit
  • Kontrolle der Nierenfunktion
  • Kontrolle der Leberfunktion
  • Kontrolle des Blutbildes
  • Dosierungsanpassung/-reduzierung