Schlafstörungen

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Viele Menschen leiden an Schlafproblemen. Sie können nicht einschlafen, werden nachts immer wieder wach und finden keinen erholsamen Schlaf. Wenn jedoch die wichtigen Erholungs- und Entspannungsphasen fehlen, leidet die Gesundheit. Anhaltende Schlafstörungen führen zu Erschöpfungszuständen am Tag, Nervosität und Gereiztheit, die Leistungsfähigkeit sinkt, die Abwehrkräfte lassen nach.

Verschiedene Untersuchungen zeigen alterstypische Veränderungen des Schlafes. Im Alter wird der Schlaf leichter, der Anteil der Tiefschlafphasen nimmt ab. Dies muss sich jedoch nicht unbedingt auf die Qualität des Schlafes auswirken. Altersbedingte Schlafstörungen können u. a. auftreten, weil sich im Alter bei vielen Menschen der Tag-Nacht-Rhythmus verschiebt. Zudem wirken sich viele Erkrankungen, für die ältere Menschen besonders anfällig sind, deutlich auf die Schlafqualität aus. Dazu gehören z. B. Herz- und Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, chronische Schmerzen, Probleme bei der Blasenentleerung und Inkontinenz. Auch Störungen des zentralen Nervensystems und eine gestörte Hirnfunktion infolge von Demenz beeinträchtigen das Schlafverhalten. Bei vielen Demenzpatienten gerät durch die Erkrankung der Tag-Nacht-Rhythmus völlig aus dem Gleichgewicht, so dass die Betroffenen tagsüber längere Schlafphasen haben und nachts durch die Gegend geistern, unruhig und aufgeregt sind.

Neben diesen krankheitsbedingten Schlafstörungen treten mit zunehmendem Alter vermehrt Atemstörungen während des Schlafens auf. Etwa jeder vierte über 60-Jährige leidet an solchen Atempausen, medizinisch als Schlafapnoe bezeichnet, die sich durch lautes Schnarchen bemerkbar machen. Obwohl das Schnarchen selbst harmlos ist, kann ein dadurch bedingter Schlafmangel die Gesundheit beeinträchtigen und gerade im Alter Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnis und Stimmung negativ beeinflussen. Außerdem kann Schnarchen ein Symptom für eine ernsthafte Erkrankung sein und sollte in ausgeprägten Fällen deshalb von einem Arzt oder im Schlaflabor untersucht werden. Eine weitere häufige Schlafstörung, die nach Schätzungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (www.dgsm.de) nahezu die Hälfte aller über 65-Jährigen betrifft, sind nächtliche Muskelzuckungen, die in unterschiedlicher Häufigkeit auftreten können. Auch wenn die meisten währenddessen nicht aufwachen, kann die Schlafqualität erheblich leiden. Weitere Ursachen für anhaltende Schlafstörungen können seelische Auslöser, störende Umweltfaktoren, die Einnahme bestimmter Medikamente sowie Verhaltensweisen sein.

Schlafmangel macht krank. Wenn Sie beständig und länger als einen Monat keinen erholsamen Schlaf finden, sollten Sie mit Hilfe eines Arztes der Ursache auf den Grund gehen und nach Möglichkeiten suchen, die Ihre Schlafqualität verbessern.

Behandlungsmaßnahmen:

Nichtmedikamentöse Behandlung: Zunächst sollten Sie versuchen, auf Schlaf- und Beruhigungsmedikamente zu verzichten. Überprüfen Sie als Allererstes Ihre Schlafhygiene. Darunter versteht man ein paar Grundregeln für einen gesunden Schlaf (siehe Kasten). Probieren Sie Entspannungsmethoden, z. B. autogenes Training, Yoga und Meditation, aus. Diese Techniken können Ihnen dabei helfen, zur Ruhe zu kommen. Entsprechende Kurse werden u. a. in Volkshochschulen und Gesundheitszentren angeboten. Erkundigen Sie sich dazu bei Ihrer Krankenkasse. Viele Krankenkassen übernehmen bei anerkannten Gesundheitskursen einen Teil der Kursgebühren. Ob gegebenenfalls auch eine psychotherapeutische Behandlung für Sie sinnvoll ist, wird Ihr Arzt mit Ihnen besprechen.

Schlafhygiene – Grundregeln für einen gesunden Schlaf

  • Gehen Sie möglichst immer zur gleichen Zeit schlafen und schaffen Sie gleichbleibende Abläufe, vielleicht ein kleines Ritual, vor dem Schlafengehen.
  • Vermeiden Sie schwere Mahlzeiten, koffeinhaltige Getränke, Nikotin und Alkohol vor dem Schlafengehen.
  • Lassen Sie den Abend langsam ausklingen. Vermeiden Sie körperliche Überanstrengung und Aufregung. Bereiten Sie sich durch entspannende Tätigkeiten, z. B. Lesen oder Musikhören, auf den Schlaf vor.
  • Sorgen Sie für eine behagliche Atmosphäre im Schlafzimmer. Der Raum sollte kühl, ruhig und abgedunkelt sein.
  • Sorgen Sie dafür, dass Sie bequem liegen und eine für Sie geeignete Matratze haben.
  • Wälzen Sie sich nicht im Bett herum, wenn Sie nicht schlafen können. Stehen Sie auf und beschäftigen Sie sich mit entspannenden Tätigkeiten.
  • Bewegen Sie sich tagsüber regelmäßig, am besten an der frischen Luft.

Von der eigenmächtigen Einnahme von Beruhigungs- und Schlafmitteln wird dringend abgeraten. Denn die Medikamente, die als Hypnotika oder Sedativa bezeichnet werden, erleichtern zwar das Einschlafen und führen zur Entspannung, doch die Wirkstoffe beeinträchtigen gerade bei älteren Menschen langfristig Reaktionsvermögen, Muskeltätigkeit und Gedächtnisleistung. Werden zudem noch andere Medikamente eingenommen, die das zentrale Nervensystem dämpfen, kann sich die Wirkung gegenseitig verstärken und das Risiko von Nebenwirkungen steigt. Daher sollten Beruhigungs- und Schlafmittel immer nach Absprache mit dem Arzt in möglichst geringer Dosierung und nur über wenige Tage angewendet werden.

Neben den chemischen gibt es verschiedene natürliche Arzneimittel, die bei Unruhe und Schlafstörungen helfen. Auch bei ihnen müssen mögliche Nebenwirkungen beachtet werden. Geeignet sind z. B. Arzneimittel auf natürlicher Basis, welche die Ausschüttung von Stresshormonen regulieren (z. B. Neurexan®). Das hat beruhigende und entspannende Effekte, ohne dass diese Wirkstoffe die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit einschränken oder abhängig machen. Besprechen Sie die Medikation immer mit Ihrem Arzt.

Ältere Menschen sollten besonders umsichtig bei der Einnahme von Beruhigungs- und Schlafmitteln sein, denn einige der chemischen Arzneistoffe sind auf der PRISCUS-Liste als potenziell ungeeignet für ältere Patienten aufgeführt (Quelle: www.priscus.net):

WirkstoffMögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sindMedikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werdenTherapiealternativenMaßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
langsamwirkende Benzodiazepine
Chlordiazepoxid
  • erhöhte Sturzgefahr, damit verbunden erhöhtes Risiko für Knochenbrüche, Hüftfrakturen und Verletzungen
  • Beeinträchtigung des Reaktionsvermögens und der Aufmerksamkeit
  • psychiatrische und paradoxe Reaktionen wie z. B. plötzliches Auftreten von Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Verhaltensauffälligkeiten, Halluzinationen, Alpträume, Psychosen

bei Flurazepam außerdem:

  • Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit
  • Sturzneigung, Sturzgefährdung
  • Ateminsuffizienz
  • Suchterkrankungen, Substanzabhängigkeit
  • Demenz
  • kurz/kürzer wirksame Benzodiazepine (z. B. Lorazepam (≤ 2 mg/Tag), Lormetazepam (≤ 0,5 mg/Tag), Brotizolam (≤ 0,125 mg/Tag))
  • Zolpidem (≤ 5 mg/Tag)
  • Zopiclon (≤ 3,75 mg/Tag)
  • Zaleplon (≤ 5 mg/Tag)
  • Opipramol
  • sedierende Antidepressiva (z. B. Mirtazapin)
  • schwachwirksame Neuroleptika (z. B. Melperon, Pipamperon)
  • Kontrolle der Verträglichkeit und möglichen Nebenwirkungen (Sturzanamnese, Gangsicherheit, Überprüfung von Aufmerksamkeit, geistigen Fähigkeiten, Reaktionsvermögen, Koordination der Bewegungen, Psychopathologie)
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion (Blutdruck, orthostatische Blutdruckregulation, Puls)
  • Dosierungskontrolle/-anpassung (niedrigst mögliche Dosierung), Langzeitverabreichung vermeiden
Diazepam
Flurazepam
Dikaliumclorazepat
Bromazepam
Prazepam
Clobazam
Nitrazepam
Flunitrazepam
Medazepam
WirkstoffMögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sindMedikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werdenTherapiealternativenMaßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
kurz und mittellangwirksame Benzodiazepine
Alprazolam
  • erhöhte Sturzgefahr, damit verbunden erhöhtes Risiko für Knochenbrüche, Hüftfrakturen und Verletzungen
  • psychiatrische und paradoxe Reaktionen wie z. B. plötzliches Auftreten von Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Verhaltensauffälligkeiten, Halluzinationen, Alpträume, Psychosen

bei Temazepam und Triazolam außerdem dosisabhängig:

  • Einschränkungen der psychomotorischen Leistungsfähigkeit

bei Oxazepam außerdem:

  • möglicher Blutdruckabfall
  • Sturzneigung, Sturzgefährdung
  • Ateminsuffizienz
  • Substanzabhängigkeit
  • Demenz
  • Baldrian
  • Sedierende Antidepressiva (z. B. Trazodon, Mianserin, Mirtazapin)
  • Zolpidem (≤ 5 mg/Tag)
  • Opipramol
  • schwachwirksame Neuroleptika (z. B. Melperon, Pipamperon)
  • nicht medikamentöse Therapien (Schlafhygiene)
  • Kontrolle der Verträglichkeit und möglichen Nebenwirkungen (Sturzanamnese, Gangsicherheit, Überprüfung von Aufmerksamkeit, geistigen Fähigkeiten, Reaktionsvermögen, Koordination der Bewegungen, Psychopathologie)
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion (Blutdruck, orthostatische Blutdruckregulation, Puls)
  • Dosierungskontrolle/-anpassung (niedrigst mögliche Dosierung), Langzeitverabreichung vermeiden (Therapiedauer: max. 7 bis 10 Tage)
Temazepam
Triazolam
Lorazepam (> 2 mg/Tag)
Oxazepam (> 60 mg/Tag)
Lormetazepam (> 0,5 mg/Tag)
Brotizolam (> 0,125 mg/Tag)
WirkstoffMögliche Nebenwirkungen, von denen insbesondere ältere Patienten betroffen sindMedikamente sollten bei folgenden Begleiterkrankungen möglichst nicht verabreicht werdenTherapiealternativenMaßnahmen, falls der Arzneistoff trotzdem zum Einsatz kommt
Z-Substanzen
Zolpidem (> 5 mg/Tag)
  • erhöhte Sturzgefahr, damit verbunden erhöhtes Risiko für Knochenbrüche, Hüftfrakturen und Verletzungen
  • Sturzneigung, Sturzgefährdung
  • Substanzabhängigkeit
  • Demenz
  • Baldrian
  • Sedierende Antidepressiva (z. B. Trazodon, Mianserin, Mirtazapin)
  • Opipramol
  • schwachwirksame Neuroleptika (z. B. Melperon, Pipamperon)
  • nicht medikamentöse Therapien (Schlafhygiene)
  • Kontrolle der Verträglichkeit und möglichen Nebenwirkungen (Sturzanamnese, Gangsicherheit, Überprüfung von Aufmerksamkeit, geistigen Fähigkeiten, Reaktionsvermögen, Koordination der Bewegungen, Psychopathologie)
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion (Blutdruck, orthostatische Blutdruckregulation, Puls)
  • Dosierungskontrolle/-anpassung, Langzeitverabreichung vermeiden
Zopiclon (> 3,75 mg/Tag)
Zaleplon (> 5 mg/Tag)
andere Sedativa
Doxylamin
  • erhöhte Sturzgefahr
  • erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen wie Schwindel, Depression, Kopfschmerzen
  • erhöhtes Risikos für anticholinerge Nebenwirkungen (Glaukom, Darmlähmung, Verstopfung)

bei Diphenhydramin außerdem:

  • Beeinträchtigung der geistigen Leistungsfähigkeit
  • Krankheiten mit erhöhter Neigung zu anticholinergen Effekten (schwere Obstipation, Glaukom)
  • Vergrößerung der Prostata (Prostata- Hypertrophie) mit Restharnbildung
  • Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems (Demenz, Delir)
  • Baldrian
  • Sedierende Antidepressiva (z. B. Trazodon, Mianserin, Mirtazapin)
  • kurz/kürzer wirksame Benzodiazepine (z. B. Lorazepam (≤ 2 mg/Tag), Lormetazepam (≤ 0,5 mg/Tag), Brotizolam (≤ 0,125 mg/Tag))
  • Zolpidem (≤ 5 mg/Tag)
  • Zopiclon (≤ 3,75 mg/Tag)
  • Zaleplon (≤ 5 mg/Tag)
  • Opipramol
  • schwachwirksame Neuroleptika (z. B. Melperon, Pipamperon)
  • nicht medikamentöse Therapien (Schlafhygiene)
  • Kontrolle der Verträglichkeit und möglichen Nebenwirkungen (Sturzanamnese, Gangsicherheit, Überprüfung von Aufmerksamkeit, geistigen Fähigkeiten, Reaktionsvermögen, Koordination der Bewegungen, Psychopathologie)
  • Kontrolle der Herz-Kreislauffunktion (Blutdruck, orthostatische Blutdruckregulation, Puls)
  • Dosierungskontrolle/-anpassung, Langzeitverabreichung vermeiden
Diphenhydramin
Chloralhydrat
  • Leberinsuffizienz
  • Niereninsuffizienz
  • Herzrhythmusstörungen, schwere Herz- und Kreislaufschwäche