Schwindel

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Damit wir im Gleichgewicht bleiben, arbeiten verschiedene Sinnessysteme zusammen: das Gleichgewichtsorgan im Innenohr, das Drehbewegungen des Kopfes und unseres Körpers erfasst, unsere Augen, die optische Informationen liefern, sowie Sensoren auf der Haut, in Muskeln und Gelenken, die für die Tiefenwahrnehmung zuständig sind. Das Gleichgewichtszentrum im Gehirn registriert diese Sinneswahrnehmungen und wertet sie aus. Sind die Informationen widersprüchlich oder werden sie nicht richtig verarbeitet, wird uns schwindelig.

Schwindelgefühle und Gleichgewichtsstörungen sind typische Beschwerden, die mit zunehmendem Alter häufiger werden. Mehr als 30 Prozent der über 65-Jährigen und etwa die Hälfte der 75-Jährigen leiden an unterschiedlichen Formen und Ausprägungen von Schwindel. Das hängt damit zusammen, dass alle unsere Sinnesorgane, auch die, die für unser Gleichgewicht sorgen, dem normalen Alterungsprozess unterworfen sind. Die Leistungsfähigkeit des Gleichgewichtsorgans im Innenohr, das Sehvermögen, die Tiefenwahrnehmung lassen ebenso nach wie die Reaktionsfähigkeit und Reizweiterleitung im Gehirn. Auch einige der alterstypischen Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Blutdruckschwankungen, Stoffwechselstörungen, Gefäßerkrankungen, Parkinson oder eine Altersdemenz können unseren Gleichgewichtssinn beeinträchtigen. Zudem ist bei einigen Medikamenten Schwindel als Neben- und Wechselwirkung bekannt. Besonders oft leiden ältere Patienten, die mehrere Medikamente einnehmen müssen, an dem sogenannten anticholinergen SyndromAnticholinerges Syndrom:
Unter diesem Begriff werden Symptome zusammengefasst, die durch anticholinerg wirkende Medikamente (Anticholinergika) hervorgerufen werden. Dazu gehören: Mundtrockenheit, Verstopfung, Sehstörungen, Steigerung der Herzfrequenz, Schwindel, Verwirrtheit, Angst und Unruhe.
, das sich u. a. in Form von Schwindelgefühlen äußert.

Nicht wenige Patienten neigen dazu, Schwindelgefühle zu verharmlosen. Das ist jedoch ein Fehler. Wenn Sie sich zunehmend unsicher auf den Beinen fühlen, werden darunter Ihre Alltagsaktivitäten und Ihre Lebensqualität leiden. Zudem erhöht sich das Risiko zu stürzen. Die Folgen eines Sturzes können ab einem gewissen Alter schwerwiegend sein.

Sollten Sie dauerhaft oder anfallartig an Schwindel leiden, dann suchen Sie Ihren Arzt auf. Er wird Sie zur Art Ihrer Schwindelgefühle, der Häufigkeit und den Auslösern der Schwindelattacken befragen. Da Schwindel auch als Symptom einer ernsthaften Erkrankung auftreten kann, wird er möglicherweise eine weiterführende Diagnostik veranlassen. Sind die Ursachen abgeklärt, wird der Arzt einen auf Ihre Schwindelform zugeschnittenen Therapieplan erstellen und dabei auch die Behandlung eventueller Grunderkrankungen berücksichtigen. Sollten Sie bereits Medikamente einnehmen, wird er Ihre Medikamentenliste auf Wirkstoffe hin überprüfen, die im Verdacht stehen, Schwindel hervorzurufen. Eventuell ist es dann möglich, auf ein anderes Medikament auszuweichen.

Behandlungsmaßnahmen:

Körperliche Aktivität und spezielle Bewegungsübungen stärken das Gleichgewichtssystem, sorgen für mehr Bewegungssicherheit und verbessern unser Körpergefühl. Muskelkräftigung und Gleichgewichtstraining stellen daher einen wichtigen Teil der Behandlung dar. Bei der Krankengymnastik wird Ihnen der Therapeut auch einige Übungen zeigen, die Sie zu Hause durchführen können. Durch das regelmäßige tägliche Training lernt Ihr Gehirn, Schwindel besser zu verarbeiten oder gar nicht erst entstehen zu lassen.

Schwindelübungen für zu Hause

Regelmäßiges Gleichgewichtstraining ist ein wichtiger Teil der Behandlung.

Abhängig von Art und Ursache des Schwindels kann der Arzt Medikamente verordnen, die das Schwindelgefühl lindern (z. B. Betahistin, Dimenhydrinat). Diese chemischen Arzneimittel zur symptomatischen Behandlung des Schwindels heißen Antivertiginosa. Ihr Arzt wird berücksichtigen, dass bestimmte Antivertiginosa müde machen, das Bewusstsein dämpfen und die Konzentrationsfähigkeit mindern. Aufgrund dieser Nebenwirkungen sowie bekannter Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind einige Antivertiginosa zur Behandlung von älteren Menschen und Patienten mit bestimmten Erkrankungen nicht gut geeignet und dürfen auch nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden.

Daneben gibt es verschiedene natürliche Wirkstoffe, die sich bei der Behandlung bestimmter Schwindelformen bewährt haben und nicht zentral dämpfen (z. B. Vertigoheel®). Diese sind in der Regel gut verträglich und machen nicht müde. Außerdem können die natürlichen Arzneimittel oftmals in Kombination mit anderen Medikamenten und nach Rücksprache mit dem Arzt für die Dauer der Beschwerden auch über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Da jedoch auch von einigen pflanzlichen Wirkstoffen (z. B. Gingko-Präparate) Neben- und Wechselwirkungen bekannt sind, sollten Sie die Präparate ebenfalls nur in Absprache mit Ihrem Arzt einnehmen.